Was genau ist Progressive Muskelentspannung nach Jacobson?

 

 

Die Progressive Muskelentspannung ist oft auch unter den fachlichen Begriffen, wie Tiefenmuskelentspannung, Tiefenmuskeltraining, Progressive Relaxation oder Jacobsontraining bekannt.

 

Sie wurde zu Beginn des letzten Jahrhunderts von dem amerikanischen Arzt und Physiologen Edmund Jacobson entwickelt.

 

 

Worin besteht der Unterschied zu anderen Entspannungsverfahren?

 

Die progressive Muskelentspannung ist ein Verfahren, das tiefe Entspannung durch wechselnde An- und Entspannung der Muskeln erreicht. Anders als beim autogenen Training; hier wird die Entspannung durch Vorstellung und Autosuggestion erreicht.

 

 

Was bedeutet das Wort „progressiv"?

 

„Progressiv" kommt von dem lateinischen Wort „progredere" und heißt soviel wie „voranschreiten".

 

„Voranschreitend ist diese Form der Entspannung deswegen, weil nach und nach alle Muskeln des Körpers entspannt werden und die Entspannung deshalb immer tiefer wird.

 

„Voranschreitend" aber auch deshalb, weil man sich nach intensivem Training immer schneller entspannen kann.

 

 

Worin besteht das Prinzip des Verfahrens?

 

Das Prinzip ist im Grunde genommen einfach. Der Teilnehmer spannt bestimmte Muskeln bzw. Muskelgruppen an, hält diese Spannung etwa 5 bis 7 Sekunden und lässt die Muskeln dann wieder locker werden.

 

 

Wie entstehen Verspannungen, und warum können „angespannte Situationen" nicht willentlich beeinflusst werden?

 

Auf Stress oder Schmerz reagiert jeder Mensch reflektorisch mit der Anspannung der Muskulatur (z.B. Hände wegziehen). Es entsteht eine Alarmreaktion im gesamten Körper. Die Alarmreaktion entsteht bei äußeren Schmerzreizen, aber auch bei Schmerzen die im Körper entstehen. Hierbei kann es auch zu einer erhöhten vegetativen Reaktion kommen.

 

Das sich in diesen Situationen die Muskeln anspannen, liegt am vegetativen Nervensystem, dem Teil des Nervensystems, das nicht dem Willen unterworfen ist. Es ist z.B. auch für die „Gänsehaut" oder für den erhöhten Blutdruck verantwortlich. Auch diese Reaktionen können nicht allein durch den Willen beeinflusst werden. Es ist nicht möglich, willentlich eine Gänsehaut entstehen und wieder verschwinden zu lassen.

 

Dauert diese Alarmreaktion dauerhaft an, kann diese Anspannung der Muskulatur zu einer zusätzlichen Schmerzquelle werden. Sie hält den gesamten Körper ständig unter erhöhter Anspannung. Die Folge daraus ist, dass die Entspannungsfähigkeit abnimmt und die Schmerzverarbeitung beeinträchtigt wird.

 

Es entsteht ein Teufelskreis auf körperlicher Ebene

 

Schmerz – Anspannung – Unwohlsein – verstärktes Schmerzempfinden

 

 

Durch den eigenen Willen, ist der Mensch also nicht in der Lage den Muskel zu entspannen, aber er kann durch seinen Willen den Muskel dazu bewegen, dass er sich weiter anspannt! Erst wenn der Muskel fest genug, d.h. bis zum Äußersten, angespannt ist, kann er die Spannung auch wieder loslassen. Die Erfahrung zeigt, dass der Muskel hinterher wesentlich entspannter ist als vorher.

 

Zwei nachvollziehbare Beispiele aus dem Alltag sind hier: Wenn man körperlich schwer gearbeitet hat oder sich beim Sport ausgepowert hat, fühlt man sich hinterher richtig schwer und entspannt.

 

Quelle: MSP Marlis Speis-Lehrmethode®